E wie EIgentum – das kleine ABC der Bergmannstraße

E wie Eigentum.

Eine könnte reichen...

Eine könnte reichen....

Eigentum, etwas ganz Selbstverständliches, und doch ein Reizwort. Während sich niemand so richtig darüber ärgert, dass auf mancher Straßenseite inzwischen stattliche Stadtradpanzer der deutschen Automobil-Edelmarken parken und damit Sicht, Luft und engen Parkplatzraum verpesten, ist das Thema Eigentum von Wohnraum ganz anders. Und doch, beides hängt irgendwie zusammen. Vor einigen Monaten gab es die clevere Plakatinitiative Empfänger unbekannt verzogen. Damit wollte die Initiative Community Impulse auf die Folgen der Veränderungen der Wohnraumstrukturen aufmerksam machen. Denn durch Häuserverkäufe werden inzwischen ganze Wohnblocks aus dem Mietmarkt gerissen, edelsaniert und schließlich werden die teuer sanierten Wohnungen als Eigentumswohnraum auf den Markt gebracht – mit zum Teil erheblichen Ertragssteigerungen.

Wohnungen für 450.000 bis 550.000 Euro, vor allem am Chamissoplatz, sind absolut keine Seltenheit mehr.

Die Folge: der Kiez verändert sich, es kommen andere Menschen mit anderen Bedürfnissen, anderer Kaufkraft und anderen Nerven (mal sehen, was mit den lauteren Ecken der Kiezstraßen wird). Auf der Strecke bleiben all jene, die gerne in der Innenstadt wohnen, wohnortnah versorgt werden wollen und eine Wohnung mit einer kleinen bescheidenen Miete bezahlen können.

Ich habe ganz zu Beginn meines Geschichtsstudiums mal eine Semsterarbeit über die Wohnbebauung im Prenzlauer Berg geschrieben. Ich erinnere mich daran, dass viele der Bauten nach den Kriegen 1871 gebaut und als Spekulationsobjekte auf den Markt geworfen wurden. Dann gab es den Gründerkrach und die Blase platzte. In den Bauakten ist das sehr spannend gewesen, weil plötzlich aus den gigantischen Etagenwohnungen kleinere Wohneinheiten gemacht wurden – schlicht, weil die Nachfrage nicht mehr da war und die Vermieter mehr einnehmen konnten, wenn gleich mehr Mieter Miete zahlten. Die Folge damals: übermäßig belegter Wohnraum mit all den drastischen Konsequenzen für die Gesundheit der Menschen. Es glaubt doch keiner, dass dieser schleichende Prozess der Entwidmung von Mietwohnraum zu Eigentumswohnraum nicht ohne weitreichende Folgen für die Mieterstruktur, den Kiez und überhaupt für Berlin bleiben wird. Wer meint, in 20 Jahren in der Innnenstadt noch günstigen Wohnraum zu bekommen, der geht eine ganz enorme Wette ein – andererseits: wer weiß, vielleicht platzt ja wieder irgendwamm mal eine Blase…

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