In eigener Sache II: bin ich Medium?

Seit einigen Tagen denke ich etwas intensiver über mein Dasein und Schreiben als Blogger nach. Nach nun bald zwei Jahren freue ich mich regelmäßig noch über Aufrufe von älteren Artikeln, die ganz offenbar auf Interesse stoßen – und natürlich über Kommentare. Für mich ist die Blogentwicklung ein spannendes Thema. Denn eigentlich komme ich aus den klassischen Massenmedien, hab einst für nationale Medien geschrieben und recherchiert (und umgekehrt). Der wohl bedeutsamste Unterschied ist, dass ich in meiner aktiven Zeit als Journalist damit auch Geld verdient habe – etwas, was ich beim Bloggen gar nicht erst erwarten würde. Auch wenn ich Leute kenne, die etwas über Werbung und Zweitaufträge dazu verdienen. Ebenso heftig fällt mir auf die Füße, dass ein Blog gestaltet sein will. Darüber habe ich mir in meiner Journalistenzeit nie Gedanken machen müssen noch sollen. Programmtrailer wurden von Programmmachern entworfen und produziert, um das Design kümmerten sich immer andere Leute – und selbst die Verwaltung von Kommentaren war ausgelagert und erreichte einen Redakteuer nur dann und wann.

Kurzum: ich frage mich, welche Bedeutung ein Blog einnehmen kann – und zurecht: soll. Wer seine Aufgabe als Spaß versteht, der kann sich nochmal weitaus ungezwungener in der Blogossphäre bewegen, also nur ab und an etwas posten. Wer einen Blog als – ich sag mal – Kampfauftrag versteht, wer also wirklich eine Idee, einen Gedanken oder Zorn gestalten will, der kommt um tägliche Pflege und Management wie Vernetzung und Verlinkung gar nicht mehr vorbei.

Die Medialisierung meines Alltags hat durch den Blog seinen abslouten Höhepunkt erreicht, weil ich früher nur als passiver Konsument abends noch Nachrichten sah oder ein Buch las. Heute bin ich Medium und blogge mal eben schnell noch eine Beobachtung aus der Umgebung. Als ich neulich eine Zeitung aus dem Jahr 1991 in die Hand nahm, damals ging es um den zweiten Golfkrieg, ein Ereignis, das mich als Schüler auf die Straße trieb, da konnte ich sehen, wie dramatisch sich unsere Medienutzung verändert hat. Die Zeitung von 1991 war enorm dicht, lieferte ziemlich viele Berichte, die kleinteilig und irgendwie auch einen Füllcharakter hatten – nicht zuletzt waren die Textblöcke viel komprimierter, so als müsse die Zeitung die fortwährende Dokumentation eines jeden vorgangegangenen Tages sein. Die Zeitung heute? Sie spielt nur noch sonntags eine Rolle in meinem einst so nachrichtengesteuerten Leben.

Und an welche Stelle hat sich nun der oder ein Blog gesetzt? Nun, er ist zunächst so etwas mit meine eigene Tagesdokumentation – die kleine Ration Nachricht aus der unmittelbarsten Umgebung, die es nie und nimmer in irgendwelche anderen Medien geschafft hätte, vermutlich heute noch weniger als damals. Irgendwo las ich kürzlich, dass all das, dass all die neuen Medien, deren Einsatz und Nutzung eine Fortschrittsgeschichte darstellen würden mit linearen Blick hin auf Universalmedium Computer. Ich halte das für Quatsch – eine Nachricht wird immer eine Nachricht sein und bleiben, das Medium spielt da überhaupt gar keine Rolle. Und ob der Computer, wie wir ihn jetzt kennen, überhaupt in 10 Jahren noch als Tor für eine private Medialität überhaupt erkannt wird, das stelle ich mal deutlich in Frage.

Zwei Beobachtungen habe ich in jüngster Zeit gemacht: nach der wikipedia-Blockade von dieser Woche hörte ich, wie jemand aus Twitter zitierte, dass er seine Hausaufgaben mit einem Brockhaus erledigen musste, seitdem kenne er (oder sie) nun zwei neue Staaten: die UdSSR und Jugoslawien. Die andere Beobachtung kommt aus dem Bekanntenkreis: da erkennen die kleinen Kinder (2 und 4) mittlerweile nicht mal mehr das klassische Telefon als Apparat, der klingelt, ein Kabel hat und den man nicht mit auf die Straße nimmt.

Insofern: das Bloggen war ein erster zentraler Schritt, um die Nachrichtenhöhe des klassischen Journalismus zu druchbrechen und die frühere Beziehung von Massenmedium und passivem Konsument ein für alle mal zu beenden. Seitdem ist nichts mehr wie zuvor – und es wird auch nicht mehr so sein, denn moderne Geräte wie Ipads oder andere Mobilallrounder werden dazu fphren, dass wir immer und überall Medium sein können und werden. Ob wir dann auch noch LeserInnen haben, das steht auf einem ganz anderen (digitalen) Blatt…

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