„Eilt: Rentner besetzen Miethaus im Gentrifizierungskiez“

So, oder so ähnlich könnte zur Abwechslung ja auch mal eine Nachrichtenagentur-Meldung lauten, die die sozialen Folgen von Wohnungsverkäufen, Mietshausmonopoly und Weltstadt-Gedöns beschreibt. Betroffen sind alle, jung wie alt, das zeigte die jüngste Anwohnerversammlung in der Passionskirche am Marheinekeplatz, die leider schwächer besucht war als in den Treffen davor.Was geblieben ist, ist die Fassungslosigkeit vieler älterer und vieler jüngerer Berliner, die sich kaum oder nur schwach gegen die Rausverkauf-Mentalität vieler ‚Neu-Berliner‘ wehren können oder wollen.

Dass das jedoch vielleicht nicht mehr lange so bleibt, zeigt der Zwischenruf einer Rentnerin: „Ich suche Rentner ab 60, die sich an einer Hausbesetzung beteiligen wollen. Wir haben Rente, müssen nicht zur Arbeit, wir können das!“

Ein Grundtenor der Versammlung war, dass die jetzigen Mieter es den Neu-Eigentümern gerne so schwer wie möglich machen sollten – und auch der Landespolitik, die nichts für oder gegen die Spekulation unternimmt [wer auf diesen Versammlungen ein SPD-Parteibuch hochielte, würde vermutlich nicht sehr freundlich hinauskomplimentiert]. Rauskaufen für 5.000 Euro – never ever lautete eine Aussage: 15.000, 20.000 oder mehr sollten schon drin sein [gehört habe ich das auch schon]. Protestieren bis zum Abwinken, das wäre auch ein Option – sei es durch einen Symbolaktion, die Ende Februar starten soll oder durch einen Kiezmarsch im April.

Besonders viel Applaus erntete eine junge Frisörin, die mit ihren beiden Kindern in einer Wohnung im Graefekiez lebt: „ich kämpfe gerne“, sagte sie energisch ins Mikrofon. Und so habe sie es trotz aller Widrigkeiten geschafft, erzählte sie, dass am Ende sie ihre Vermieterin verklagt habe und nun locker für zehn Jahre eine Mietfestschreibung erstritten habe. Dieses und andere Beispiele sprechen sich bekanntlich herum – und sollten auch der Politik ein deutlicher Hinweis sein, dass es immer noch die Menschen dieser Stadt sind, die hier Steuern zahlen, die hier Sozialstrukturen stützen, die anderen Arbeit geben – vom Müllmann bis zum Regierenden Bürgermeister. Kiez wehrt sich – mehr denn je.

Und hier noch ein Link zu einem besonders schrägen Tagesspiegel-Artikel.

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Eine Antwort zu „Eilt: Rentner besetzen Miethaus im Gentrifizierungskiez“

  1. Nick Nampaul schreibt:

    Ich bin ehrlich erleichtert, dass du den Tagesspiegel-Artikel auch als „schräg“ empfunden hast und es nicht nur mir so ging!

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