Warum Guggenheim und BMW auch nur Marketing machen

Da bin ich mal ein paar Tage nicht in Berlin und dann rauscht der Blätterwald, weil ein Marketingprodukt nicht an einem Standort aufgestellt werden kann. Linke Chaoten verhindern Berlin-Entwicklung, so ungefähr lautete eine der Schlagzeilen, wohlgmerkt noch in einem milden Tonfall.

Kurzum, liebe Leute, Guggenheim und BMW stellen da ein Stahlzelt auf, laden ein paar Akademiker zu Vorträgen und Präsentationen ein, es gibt Häppchen, Flyer und ein trendiges Getränk und das alles nennen wir dann Lab. Schon mal was von Marketing gehört? Marketing bringt euch Ideen/Themen/Produkte/Images, die ihr bestimmt nicht braucht, wollt und ganz bestimmt nicht so super findet, wenn da nicht schöne Vorträge, Häppchen, Flyer und Stahlzelte wären. Oh, oh, es hat ja ein Thema: Urban Living und Gentrifizierung im Wrangelkiez, Chamissokiez und Bergmannkiez. Na, wenn dazu BMW mal nicht eine tolle Position vermitteln kann?

Ich möchte an dieser Stelle mal einen Marketingsprecher zitieren, der in einem online-Beitrag des manager magazins folgende Aussage zur Zielgruppe machte: “ Wir haben es hier mit einem interessierten, aufgeschlossenen Publikum zu tun, das wir mit traditionellem Marketing und herkömmlichen Kommunikationskanälen immer weniger erreichen. All jene, die ganz definitiv keine Autozeitschriften lesen und die sich weniger für Fernsehen, Print und andere traditionelle Medien interessieren. Diese Menschen erreichen wir mit Veranstaltungen außerhalb der üblichen Terrains einer Premiummarke wie beispielsweise dem Golfsport. Mit der Experiential branding-Strategie, und ganz konkret mit dem BMW Guggenheim Lab, möchten wir jene ansprechen, die heute vielleicht noch keine besondere Affinität zur Marke BMW haben – möglicherweise dem Auto sogar ambivalent gegenüber stehen.“ [Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/0,2828,771500,00.html]

So, nochmal für alle PolitikerInnen, JournalistInnen, KommentatorInnen, wer noch kein Auto hat, noch keinen BMW fährt, wer sonst noch nie zur Premiummarke Kontakt hatte: bitte schön, demnächst ins Guggenheim Lab gehen und Huckepack ganz viele tolle Mini-Ideen und Häppchen in die Kieze tragen.

Aber bitte mich mit diesem Marketing-Scheiß in Ruhe lassen. Ich habe übrigens noch einen Vorschlag, wo das Lab hin kann. Nach Granada, da gibt es auch gerade Zoff im Kiez: http://www.sos-albaicin.com/

Nachtrag 27.3.: hier eine pro und contra-Meinungs-Seite aus der morgenpost-online

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3 Antworten zu Warum Guggenheim und BMW auch nur Marketing machen

  1. berlioz1935 schreibt:

    Ihr wollt also keine BMWs kaufen? Braucht Ihr doch gar nicht. Mit der Umweltkarte seid Ihr doch viel besser dran. Alle mal!.

    Aber die Einrichtung nicht haben zu wollen klingt ja schon so, als ob Euer Kiez zum Ghetto werden möchte. „Hier bestimmen wir, wir sind das Volk,“ heißt die Parole und die Barrikaden gehen hoch. Wo bleibt denn da die Toleranz.? Ihr seid doch auch nur Zugereiste und nun wollt Ihr hinter Euch das Tor verrammeln.

    Wenn Ihr Euch keinen BMW kaufen wollt, dann haben sich die Quandts und Co eben geirrt. Warum auf die sogenannten „KommentatorInnen“ schimpfen? Ein Blogger ist doch auch ein Kommentator oder nicht?

    Aus der Ferne seht Ihr sehr kleinlich aus.

    • bergmannstrasse schreibt:

      Hmm, Berlioz, es fällt mir schwer, Sie zu verstehen.

      Also, obwohl Sie nicht wissen, wie ich entschieden hätte, wenn da nicht das Label „Museum + Autokonzern + LAB“ draufgestanden hätte, sondern „Berlin kümmert sich um seine Menschen in den Kiezen“ stellen Sie die alberne These auf: „Aber die Einrichtung nicht haben zu wollen klingt ja schon so, als ob Euer Kiez zum Ghetto werden möchte. “Hier bestimmen wir, wir sind das Volk,” heißt die Parole und die Barrikaden gehen hoch. Wo bleibt denn da die Toleranz.? Ihr seid doch auch nur Zugereiste und nun wollt Ihr hinter Euch das Tor verrammeln.“

      „Ghetto?“ Entschuldigung, falsches Wort für falschen Umstand.
      „Hier bestimmen wir“ – was ist denn Ihrer Ansicht nach die richtige Entscheidungsebene? Wirtschaft, Partei, Medien? Ich habe in allen drei Ebenen gearbeitet und weiß, wie Dinge, die gesellschaftliche Auswirkungen haben, entschieden werden.
      „Toleranz“ – ach, Leib und Leben fürchten die beiden Veranstalter. Ach, was, Sie wissen doch genauso wie ich, dass Großkonzerne mit Security die Sicherheit schaffen können, die die für alle ihre Veranstaltungen brauchen [auch davon weiß ich absolut ein Lied zu singen]
      Zugereist – stimmt, meine Familie zog 1890 in den Wrangelkiez – und lebt noch heute dort. Soviel zum Thema Berlin-Sein…[siehe auch http://wrangelstrasse1900.wordpress.com/%5D

  2. berlioz1935 schreibt:

    Das LAB erregt ja ordentlich die Gemüter. Natürlich weiß ich nicht wie sie persönlich denken oder denken würden. Ein Ghetto ist nicht nur ein Ort wo man gezwungen ist zu leben sondern es ist auch ein Ort wo man sich freiwillig, oder den Umständen halber, aufhält. Es gibt auch geistige Ghettos.#

    Und nun wollen die LAB Gegner auch noch in andere Bezirke eindringen.

    Die Gegner des LABs haben doch mit Gewalt gedroht oder nicht? Also muss auch der Schutz herangezogen werden. Mit der Ablehnung haben BMW schon viel mehr Marketing Erfolg gehabt, als wenn alles in Frieden abgelaufen wäre. Wollt Ihr nun die Litfaßsäulen abreißen, denn sie sind doch auch ein Marketing-Tool.

    Last doch diesen Leuten ihr (Glas und Eisen-) Zelt für die paar Wochen aufstellen. Dann ist der Spuk vorbei. Ich glaube nicht, dass BMW ein Auto mehr verkaufen wird. Den einzigen Nutzen haben sie wenn sie die Kosten von der Steuer absetzen können.

    Das Großstädtische Verdrängungsproblem ist allgegenwärtig und bestand schon immer. Heute kommen die Neuen mit dem Scheckbuch, früher mit der Keule.

    Warum nicht an der Diskussion im „Zelt“ teilnehmen und den Herren von BMW klar machen, dass die großstädtische Zukunft keine Autos vorsieht. Ach, Ihr werdet nicht eingeladen? Dann könntet Ihr doch woanders ein Zelt aufstellen.

    “ was ist denn Ihrer Ansicht nach die richtige Entscheidungsebene? Wirtschaft, Partei, Medien? “

    Das ist eine sehr interessante Frage und schwer zu beantworten. Wahrscheinlich ist es eine Mischung. Berlin ist eine offene Stadt in der viel diskutiert wird. Darum fühlten sich die Guggenheimer von der Stadt angezogen. Berlin wie es heute ist, ist ein Kompromiss aller Gruppen der Gemeinschaft.

    Protestiert und diskutiert weiter, aber bitte, droht nicht mit Gewalt.

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