Und jetzt mal eine andere Geschichte … zum Thema Sparkasse im Kiez

Für diese Geschichte muss ich etwas ausholen – vorab: es geht um Geld, nicht so sehr den Kiez.

Meine Bekannte ist seit Ewigkeiten, beinahe ihr ganzes Leben lang und jeweils dort, wo sie wohnt, Kundin der Sparkassen. Ich hege seit meiner Tätigkeit als Referent für Verbraucherschutz und einer sehr unschönen Episode, bei der sich ein Rechtsanwalt und ein Sparkassen-Vertreter bei einem Gesprächstermin beinahe mit einstweiligen Verfügungen das Wort abschneiden wollten, gelinde gesagt, etwas Zweifel an der einen oder anderen Praxis der Sparkassen. Ich drücke mich hier bewusst vorsichtig aus, weil es damals um Einzelfälle einer vorzeitigen Kreditauflösung im Südwesten der Republik ging.

Vorab noch das: Sparkassen-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können teilweise nichts für die Haus- oder Anlagepolitik der Gesamtgruppe. Aber: letztlich sind die Kundenberaterinnen und -berater diejenigen, welche die Produkte an den Mann oder die Frau bringen sollen und müssen und entsprechend beraten sollen.

Und da fängt die Geschichte an, ärgerlich zu werden.

Meine Bekannte erzählte mir am Gründonnerstag, dass sie einen Anruf ihrer Beraterin aus der Filiale Gneisenaustraße erhielt. Es ging um eine vor Jahren ausgeführte recht geringe Anlage in einen damals sehr von der Beraterin empfohlenen Dach-Immobilienfonds namens Stratego Grund, der wiederum in offene Immobilienfonds investiert. Zugegeben, ich war damals überhaupt nicht begeistert als meine Partnerin mir von diesem Investment erzählte, wusste ich doch seit Anfang 2008, dass ein gehöriger Teil der Finanzkrise durch vollkommen undurchschaubare und äußerst riskante Finanzgeschäfte mit Immobilien bzw. den Kreditfinanzierungen für ebensolche ausgelöst wurden.

Die Finanzberaterin jedenfalls teilte meiner Bekannten mit, ihr Fonds sei ‚auf Eis gelegt‚ worden, ein Verkauf derzeit nicht möglich, um, Zitat: ‚weitere Panik‘ zu verhindern.

Ich war sauer.

Denn damals wurde ihr der Fonds als sichere Anlage empfohlen – bereits kurze Zeit nach Erwerb von ein paar Anteilen rauschten die Kurse in der Keller, woher sie sich seither niemals mehr nach oben bewegt haben und das auch nicht mehr tun werden  [dazu ein Artikel aus der Badischen Zeitung].

Heute nun habe ich etwas im Netz recherchiert und ich stieß auf eine Fülle von Artikeln, die sich u.a. um die Sparkassen-Tochter Dekabank dreht, um Boni eines inzwischen geschassten Chefs und natürlich um die Wertentwicklung der offenen Immobilienfonds sowie von Dachfonds. Der Hohn an dieser Stelle ist, dass ich vor Jahren mal an einem Essen mit Vertretern der geschlossenen Fondsbranche teilnahm, die ihrerseits betonten, dass Verbraucherschutz für sie nur eine geringe Rolle spiele, weil ja alle InvestorInnen wissen, dass geschlossene Fonds eben deutlich riskanter seien als die offenen Modelle. Heute kann ich darüber nur noch höhnisch lachen, denn im ganzen Wahn um Vorsorge über Aktien- oder Anteilsmodelle ist vollkommen untergegangen, dass diese Anlageformen einer permanenten, fast stündlichen Kontrolle bedürfen und so sicher in der Konsequenz gar nicht sein können. Es hilft nichts, im Glauben um Gewinne in fünf oder zehn, 15 oder 20 Jahren die Fonds wie Altakten in den Ordnern verstauben zu lassen und zu hoffen, die werden schon bzw. das bringt ordentlich was auf die hohe Kante.

Nein, nein, nein – wer in Aktien oder Fonds investiert, muss da dran bleiben, muss Meldungen lesen, sich auf dem Laufenden halten – permanent. Aus Schaden wird man/frau klug, kann es dann hier nur heißen – nur setzt der Schaden das Wissen darum voraus. Und das fehlte uns, denn die Meldung vom Einfrieren rauschte irgendwie vorbei. Angeblich habe es einen Brief gegeben, den hat aber meine Bekannte nie erhalten.

Egal wie, die Folge, die das Institut natürlich zu verhinder wusste, wäre gewesen, dass viele Kundinnen und Kunden abrupt ihr Geld aus solchen Fonds abgezogen hätten, was wiederum zu anderen Schieflagen geführt hätte. Der Anruf der Beraterin bei meiner Bekannten am Gründonnerstag kam zu spät, um irgendwie noch zu handeln – zumal sie im Büro saß und aber ohnehin keine Wahl merh hatte (Stichwort: eingefroren).

Was tun?

Nun, gemeinsam mit ihr werden wir uns noch einmal die Beratungsprotokolle ansehen – denn wenn klar ist, dass meine Bekannte nicht auf die Gefahr der Folgen des Einfrierens eines Fonds hingewiesen wurde, stellt sich evtl. ein Schadenersatzanspruch dar. Schließlich kann und konnte sie ja nun nicht mehr handeln. Einen Vergleichsfall mit Erfolg für Kläger gibt es in jüngster Zeit dazu bereits. Hier dazu noch ein Hinweis von Finanztest.

Ich bin außerdem gespannt, wie sich das Vertrauensverhältnis zwischen Beraterin, Sparkasse generell und meiner Partnerin weiter enwickeln wird. Ich persönlich habe aus all dem die Konsequenz gezogen, dass Anlagen in Aktien nichts außer Frust bringen und daher nicht bei mir (mehr) zu finden sind. Langfristig frage ich dann aber doch, wie schlägt das alles eigentlich auf dem Berliner Immobilienmarkt durch? Wenn nun viele Kundinnen und Kunden nicht mehr an Fondsmodelle glauben, wird doch der nächste Hype durch die Kieze getrieben, quasi der private Eigentumsfonds in Form einer Wohnimmobilie. Wer hier im Kiez inzwischen 450.000 Euro und mehr für eine Wohnung mit Busbahnhofbetrieb ausgibt, sollte sich fragen, ob er/sie damit nicht Teil der nächsten Blase ist?

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