Hygienekontrollen im Bergmannkiez – Fehlanzeige

Nach langer Zeit habe ich mir mal wieder das Thema Hygiene in den Lokalen, Imbissen und sonstigen Speckbrätern im Bergmannkiez vorgenommen. Die Straße ist ja die reinste Fress- und Kaffeekulturmeile geworden, ob nun mit oder ohne Bergmannstraßenfest: an manchen Tagen brummt es hier so ordentlich, dass kaum ein freier Platz mehr zu finden ist. Als Anwohner mit Erfahrung kennt man dann seine Spezies, bei denen man lieber hingeht, weil es besser schmeckt, und diejenigen, um die ich mittlerweile eine ganz großen Bogen mache. Wohlgemerkt: bei meinen Erfahrungswerten geht es eher um die geschmackliche Qualität, weniger um die Hygiene bspw. bei der Zubereitung.

Ab und an gucke ich mir die Höfe an – wann immer mal eine Türe offen steht, und das ist dank der enormen Zahl an Lieferanten und Müllfahrzeugen zum Leidwesen der verbliebenen AnwohnerInnen fast immer der Fall, gucke ich mir die Hinterhöfe an. Machnmal sind es Kleinode, gepflegt, mit tollem altem Baumbestand, selbst im kleinsten Hinterhof. Manche Höfe offenbaren leider auch einen schlimmen Einblick – auch zur Frage von Mülllagerung und Entsorgung – vielfach habe ich den Eindruck, dass die Betriebe hier die Grenze der Kapazität bereits überschritten haben (dabei wird vielfach bereits zweimal die Woche der Müll entsorgt).

Müll mag das eine Problem sein, letztlich liegt der im Hinterhof und stinkt nur die Nachbarn voll. Wie es aber um die Hygiene im Betrieb selbst bestellt ist, das wissen wohl nur die Gesundheitsämter, die Lebensmittelkontrolleure bzw. die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz. Letztere prüft sein einiger Zeit Gaststätten und Lokale und veröffentlich die Prüfdaten in Teilen im Netz, damit sich jede/r Kunde über die Hygiene im Geschäft informieren kann. Als das ganze Thema und sogenannte Smileys und die sagenumwogene Ekelliste Mitte 2009 hochkochte, tauchten viele Argumente auf, die von geschäftsschädigend, unnütz usw. aber nur selten eindeutig für die Verbraucher und deren Recht auf Gesundheit, Information und einwandfreie Speisen sprachen. Wer sich davon einen Eindruck machen möchte, dem empfehle ich hier einen grandiosen Artikel in der Zeit: http://www.zeit.de/2009/13/Berlin-Restaurants

Das war 2009. Und seitdem? Was ist beispielsweise in Friedrichshain-Kreuzberg passiert – oder genauer, was in der Bergmannstraße, wo viele Läden kommen und gehen, wo viele Läden geradezu einen Run erleben, selbst wenn sie kein Gemüsedöner-Imbiss sind und auch keine Kinowerbung schalten. Ich habe einen Blick in die Liste der geprüften Gaststätten hier im Kiez geworfen. Es war ein kurzer schneller Blick, denn die Prüfliste vom November 2011 listet nur zwei Betriebe auf: das Hayal (gut) und die Haifischbar (gut), Quelle. Kurzum: während der eine Betrieb sehr wohl Speisen aller Art anbietet, offeriert der andere vor allem Hochprozentiges, also Alkohol, der mit Ausnahme von Eiswürfeln ja ohnehin Zellkiller Nummer eins ist. Eine Bar und ein Lokal – inmitten von dutzenden anderen Betrieben, jünger, älter, größer, kleiner. Das sollen Kontrollen sein?

Vollmundig heit es auf der Webseite der zuständigen Senatsverwaltung dazu: „Hier werden Ergebnisse der aktuellen Hygienekontrollen in einer Datenbank veröffentlicht. So können Sie sich ein Bild darüber machen, inwieweit der Betrieb den Anforderungen an die Lebensmittelhygiene entspricht. Sie haben als Verbraucherinnen und Verbraucher nach dem Verbraucherinformationsgesetz (VIG) einen Rechtsanspruch auf Information. […] Die Untersuchung von Gaststätten und Schankwirtschaften ist ein erster Schritt. Perspektivisch sollen Bürgerinnen und Bürger auch die Kontrollergebnisse weiterer Lebensmittelbetriebe einsehen können.“

Dabei ist der Anspruch der Prüfung hoch, richtig und äußerst sinnvoll:

„Dabei wird untersucht,

  • ob die lebensmittelrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden,
  • ob sich die Lieferwege der Lebensmittel zurückverfolgen lassen,
  • ob die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult sind,
  • ob die Hygienevorschriften eingehalten werden,
  • ob und wie die betriebliche Eigenkontrolle funktioniert,
  • ob Lebensmittel richtig gelagert und entsprechend gekühlt werden,
  • wie ist der bauliche Zustand ist,
  • ob vorschriftsgemäß gereinigt und desinfiziert wird,
  • und nicht zuletzt, ob mögliche Schädlinge richtig bekämpft werden.“

D.h. mal wieder muss man den Senat fragen, warum kommt er mit seinen Aufgaben nicht klar? Warum tut er nichts, um die offenkundig mangelhafte Datenbank auszubauen? Warum setzt er nicht mehr Kontrolleure und PrüferInnen ein?

Schlussendlich bleibt, dass die VerbraucherInnen sich dann doch nur helfen können, indem sie beispielsweise über qype mitunter einseitige Berichte zu den Lokalen abrufen sollten – der Staat, das Land, der Bezirk, die Ämter lassen einen sonst nur im Regen stehen.

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