Deswegen bin ich gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes

Es ist schon bizarr. Als vor Jahren der erste Volksentscheid zum Tempelhofer Flughafen stattfand, war ich für die Offenhaltung als Flughafen. Ich wohnte in der Ausflugschneide, die einmal täglich über meinen Kopf hinwegzischenden Maschinen nach Brüssel und die kleineren Grashüpfer störten mich nie.

Nun gut. Geschichte. Allerdings war mir immer klar: so etwas lässt sich das Land Berlin, das ja damals noch nicht Eigentümer war, niemals als Bauland entgehen. Das hätte man damals deutlich stärker in die Entscheidung einbeziehen müssen. Denn warum ich heute gegen eine weitere Bebauung bin, hat nicht so sehr mit der Stilllegung als Flughafen zu tun, sondern den krassen Auswirkungen auf die umliegenden Kieze.

1. der Verkehr

Alle, die für eine Bebauung stimmen, sind wohl noch nie nachmittags, vormittags oder tagsüber über den zweispuren Tempelhofer  Damm Richtung Innenstand gefahren. Ein Horror. Stau, Schaulustige, Demos vorm Polizeipräsidium usw. usw. Einer Bebauung folgt zu 1000 Prozent mehr Verkehr. Um was wetten wir? Irgendwann wir der Te-Damm dreispurig. Und weil die Verkehrsplanung dort am Flughafen und in den umliegenden Kiezen schon jetzt Mist ist, bin ich gegen jede weitere Bebauung. Wer auf dem Flughafen radelt, grillt, chillt, kommt mit Bahn und manchmal mit dem Auto. Aber das ändert sich mit Tausenden neuen Wohnungen (und mal ehrlich: wer will denn an der Hardcore A100 leben…?)

2. die Nachbarkieze

Eine kleine Geschichte zum Anfang. Ich bekomme relativ viele große Pakete, sind ja auch Leuchtbuchstaben drin. Ein Laden in der Bergmannstraße, den ich jetzt nicht nenne, nimmt die Pakete für mich immer an. Die Gelegenheit für ein Schwätzchen ist dann da und so erfuhr ich dies. Ladenmiete bei kanpp 50 Quadratmetern 1.500 Euro, bald, ab März nächsten Jahres zwischen 5.000 bis 6.000 Euro, weil der Kiez ja so profitiert vom Ausbau zum Hauptquartiert der Neu-Berliner. Hat das was mit dem Flughafen zu tun. Oh ja, oder wer hat die Modenerds zur Fashion Week noch nicht durch die Bergmannstraße ziehen sehen. Ich beklage mich hier nicht über Touristen und Touristenströme, sondern darüber, dass in den zum Flughafen angrenzenden Kiezen bereits jetzt starke Veränderungen stattfinden. Neben dem angesprochenen Verkehr werden knallhart Mieter und eingesessene Geschäfte verdängt. Der Senat spricht zwar von Milieuschutz aber der Markt und auch die Nachfrage regeln das.

3. und überhaupt

Ich frage mich bei alle dem Tanz um die Bebaung für angeblich niedrige Mieten: warum lässt die Stadt sich nicht 50 Jahre Zeit? Warum gibt sie dem Raum keine Zeit? Es würden sich weitaus mehr Chancen entwickeln, statt marktorientier jetzt zu brüllen: Berlin, Berlin, alle nach Berlin. Auch hier wette ich: das kippt. Getragen von sehr guten Zuzugszahlen profitiert natürlich die ganze Stadt – keine Frage. Aber da steckt ja noch kein Konzept dahinter, jedenfalls beobachte ich keins. Da ist so auch bei der Landesbibliothek, sozusagen der Wowereit Memorial Library wie sie die US-Präsidenten stiften. Wozu? Ist doch klar, dass die kleine süße Kiez-Stadtbibliothek in der Dudenstraße als erste dicht macht. Und die AGB – der Bezirk Kreuzberg hat schon abgewunken. Wozu? Manchmal spüre ich den Umbruch in der Stadt wie 1989 – in den Jahren davor staute sich West-Berlin auf infernalische Weise auf (erinnert sich noch wer an die Szenen am Zoo für die Samstagsausgabe der Morgenpost mit dem Wohnungsmarkt?). Sodann kam das Chaos nach der Wiedervereinigung, es war ja fast alles doppelt, und als ich 1994/5 Abitur machte, ging es richtig bergab. Berlin? Bloß weg hieß es selbst bei den hier geborenen – selbst die FU riet mir damals von einem Studium an der UNi ab wegen der Perspektivlosigkeit. Gut, jetzt turbo. Aber das endet. Und dann stehen sie da. Eine Landesbibliothek, die schick ist aber ohne neue Bücher. Stadtvillen mit geschmacklosen Fassaden, in denen Leute wohnen, die persönlich gegen jeden Velothon klagen, der den Te-Damm für einen Tag sperrt.

Also, nein. Gegen die Bebauung.

Nachtrag der Landeswahlleiterin:

Ein Gesetzentwurf ist angenommen, wenn:

1. Die Mehrheit der Teilnehmer und Teilnehmerinnen zustimmt

und zugleich:

2. Mindestens ein Viertel (Quorum) der Stimmberechtigten, also

mindestens 622 785 Personen, zustimmt

und zugleich:

3. Mehr Ja-Stimmen als für den anderen Gesetzentwurf vorliegen.

Herzlichen Glückwunsch der Initative 100 Przoent Tempelhof

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