Klirr, Schepper, Peng – Fenstercrash in unserer Altbauwohnung

Liebe Leser*innen des Bergmannstraßenblogs,

heute mal etwas aus den eigenen vier Wänden. Es ist eine Alltagsgeschichte mit vielen Berliner Verknüpfungen.

Wo fange ich an. Wir wohnen bereits seit Jahren im Bergmannkiez zur Miete in einem irgendwie sehr bröckeligen aber doch sehr schönen Altbau. Kreuzberg eben, Geschwistererbe, und: n i c h t verkäuflich (Hofbesichtigungen auf Verdacht sind Unsinn). Jedenfalls haben sich die Eigentümer in diesem Jahr entschlossen: Fenster raus wäre besser. Die sind nämlich aus dem Baujahr ca. 1920, lassen Regen, Kälte und Eisblumen hinein. Letztere werden wir nun vermissen.

Montag früh, Punkt 8 Uhr. Eine Team von zuerst vier, dann fünf Leuten klopft freundlich, um sofort loszulegen. Es geht los, die Scheiben, 58 Stück, werden zuerst mit Kraft aus den Halterungen gehoben und landen nun hier:

Umbau 0Was haben wir die Messinggriffe bei Einzug nicht poliert, geputzt. Und die Scheiben: Mensch, sei sachte, fauchten wir uns gegenseitig ab und an an. Das nun vorherrschende Geräusch ist: Klirr, Schepper, Peng. Keine Gnade für die Einglas-Scheiben, die den Zweiten Weltkrieg überstanden hatten und so wunderbare alte Einschlüsse hatten. Und auch wenn es irgendwie schade ist: der Lärm der Bergmannstraße ist so hoch, dass es ganz klar das kleinere Übel für uns ist. Morgens beispielsweise fahren im Minutentakt rote, orangene, weiße und blaue Mülllaster vor. Klatterabumms, Tonne leer. Naja, und sind wir mal ehrlich: Eisblumen sind nur kurz lustig, dann nass und irgendwann sind die Scheiben angerottet.

Was nach dem Aushängen kam, war dann schon eine Stufe härter. Die Fensterrahmen wurden von außen verhangen und dann wurde gesägt, gehämmert, rausgezogen, gebrochen. Unter den Rahmen kam extrem viel schwarzer Straßenruß zum Vorschein, der sich über die Jahrzehnte durch die Ritzen gezogen hatte und nun erst entfernt werden musste. Der Rat bei der Vorbesichtigung erwies sich als sehr treffend: bitte verhüllen sie alles:

Umbau 3

Dieser schwarze Ruß ist der Staub von Reifen und den Kohleöfen der vergangenen Jahrzehnte. Ein extremes Großstadtphänomen. Bei der Gelegenheit musste natürlich auch das Geröll raus, das früherer Handwerker und Feuchtigkeit hinterlassen haben: die eine oder andere Zeitung, Tapetenreste, Schutt. Das sollte allein bis Mittag dauern. Die neuen Fenster aus Kunststoff wurden in der Zwischenzeit hochgetragen, und für den Einbau vorbereitet. Das ging jedoch fix: verkeilen, Wasserwaage ansetzen, schieben, heben, schäumen, Wasserwaage und dann mit 20cm langen Schrauben eindübeln. Und das sieben Mal, weil wir in unserer Altbauwohnung fünf Achsen vorne und zwei hinten haben. Aber das Ergebnis bis Nachmittag zählt: die neuen Fenster haben nicht nur die Proportionen der alten Holzfenster. Außen ist sogar das Fensterkreuz erhalten geblieben.

Und so ging das Fensterachse über Fensterachse – stundenlang. Das Einpassen ist der Akt, nicht so sehr der Ausbau. Abends um 19 Uhr dann unsere kurzfristige Entscheidung: wir gehen ins Hotel, der Staub in unserer Wohnung war doch zu dicht, Bett, Klamotten alles abgeklebt und scher zugänglich. Ein Zimmer zu finden war dann leichter gesagt als getan, denn es ist ja Funkausstellung in Berlin. Die etwas einfachere Pension ums Eck war noch frei. Auch aus gutem Grund, denn dort steigen eher Schulklassen ab, weil laut Webseite“ganz nah die berühmte Bergmannstraße“ ist. Hier nun ein kleiner Exkurs: Beobachtung eins. Das Hotel war komplett dicht mit schreiender Werbung: kommt hierher, kooft da, musste jesehen haben. Die Jugendlichen unterhielten sich (ohne Smartphone!) jedoch beim Frühstück vor allem darüber, dass die Stadt abends in der Dunkelheit ja nun ganz anders aussehe und sie sich daher kaum orientieren konnten. Da hilt dann auch keine marktschreierische Werbung. Beobachtung zwei: so teilweise dermaßen unfreundliches Personal habe ich ja lange nicht mehr erlebt. Wenn der rotzige Tonfall wegen einer zwei Zentimeter falsch abgestellten O-Saft-Kanne Berliner Herzlichkeit sein sollte, dann wünsche ich der Pension bald keine Gäste mehr – mal ganz abgesehen davon, dass die Pension ganz enorm runtergewirtschaftet war.

Umbau 1

Der zweite Tag, heute, geht nun seit acht Uhr weiter mit dem Einbau der Fensterbänke, dem Rausschlagen von Putzresten, neuer Putz muss rauf usw. Wäre das Bauteam nicht so supernett und vorbereitend gewesen, würde ich jeder/jedem raten: gehen Sie weg, nehmen Sie sich zeitig vorher ein gutes Zimmer mit freundlichem Personal und lassen Sie Wohnung, Fenster und Staub einfach zurück.

 

 

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2 Antworten zu Klirr, Schepper, Peng – Fenstercrash in unserer Altbauwohnung

  1. bergmannstrasse schreibt:

    Hat dies auf Familie Kleeblatt bloggt seit 1900 rebloggt und kommentierte:

    Heute ein Exkurz vom Wrangelkiez in den Bergmannkiez…

  2. grossbeeren schreibt:

    Ach Ihr seid mit dem Lärm und den neuen Fenstern ! Mein Beileid und gleichzeitig Glückwunsch.
    Habe heute die Bauarbeiten überm Cafe bestaunt. War richtig laut und so ein ungewohntes Geräusch zugleich. Gute Besserung ….

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